Samstag, 9. Mai 2026
Oracle – Die heiße Wette auf den KI-Boom!
Liebe Leserin, lieber Leser,

die großen Hyperscaler haben zuletzt einmal mehr geliefert. Amazon, Microsoft, Meta, Alphabet und Co. zeigen starkes Wachstum, vor allem im Cloud- und KI-Bereich, begleitet von massiv steigenden Investitionen in KI und Infrastruktur. Die großen Tech-Konzerne planen für 2026 zusammen von mehr als 700 Mrd. US-Dollar an Capex, das ist ein Plus von etwa 70% gegenüber dem Vorjahr.

Genau deshalb habe ich mir einen Konzern wieder genauer angeschaut, der in diesem Umfeld zwar nicht im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, aber strategisch genau dort andockt und vom KI-Boom profitieren könnte: Oracle.

Was macht Oracle?

Oracle ist im Kern ein Software- und Datenbank-Konzern, der sich in den letzten Jahren konsequent in Richtung Cloud-Infrastruktur weiterentwickelt hat. Das klassische Geschäft basiert auf Datenbanken und Unternehmens-Software mit hoher Kundenbindung und wird zunehmend durch Cloud-Services ergänzt. Entscheidend ist dabei, dass Oracle längst nicht mehr nur Software anbietet, sondern sich immer stärker als Anbieter von Rechenleistung und Datenverarbeitung für KI-Anwendungen positioniert. Genau hier liegt die strategische Neuausrichtung.

All-in-Ansatz

Diese strategische Neuausrichtung ist extrem kapitalintensiv. Oracle plant für das laufende Geschäftsjahr Investitionen von rund 35 bis 36 Mrd. US-Dollar, was einem Anstieg von etwa 69% gegenüber dem Vorjahr entspricht. Parallel dazu treibt das Unternehmen den Ausbau seiner Rechenzentren massiv voran und arbeitet an Großprojekten wie dem Stargate-Joint-Venture, das perspektivisch Investitionen von bis zu 500 Mrd. US-Dollar in KI-Infrastruktur vorsieht. Das ist kein schrittweises Wachstum mehr, sondern ein klarer All-in-Ansatz.

Die Wachstumszahlen stimmen

Die Wachstumszahlen stützen diese Strategie zunächst. Oracle Cloud Infrastructure wächst aktuell im Bereich von 50-70% pro Jahr, gleichzeitig wird für das Cloud-Geschäft langfristig ein Umsatz von über 140 Mrd. US-Dollar bis 2030 in Aussicht gestellt. Parallel dazu wächst auch der Gesamtmarkt dynamisch. Der globale Markt für KI-Rechenzentren soll laut Prognosen jährlich um rund 25% zulegen. Damit positioniert sich Oracle genau in einem der am schnellsten wachsenden Segmente der gesamten Tech-Industrie.

Nun kommt das große „Aber“

Aber – und das ist der entscheidende Punkt – diese Wette wird mit massivem Fremdkapital gespielt. Die Summe der Verbindlichkeiten summiert sich auf etwa 160 Mrd. US-Dollar. Das ist kein Pappenstiel und genau so sieht das auch der Kreditmarkt.

Die 5-jährigen Credit-Default Swaps, also die Kosten für eine Absicherung gegen einen Zahlungsausfall, liegen für Oracle aktuell bei etwa 130 Basispunkten. Zum Vergleich: Ähnliche Schuldner wie Oracle kommen durchschnittlich auf CDS-Werte von ca. 60 Basispunkten.

CDS-Spreads sind im Grunde nichts anderes als eine Art Versicherungspreis gegen Ausfallrisiken. Je höher, desto skeptischer ist der Markt gegenüber der Verschuldung und der Kapitalstruktur.

Die gehebelte Wette

Oracle wirkt für mich deshalb weniger wie ein klassischer Tech-Wert, sondern eher wie ein stark gehebeltes Vehikel auf das große Thema Cloud und KI. Wenn der Boom rund um Rechenzentren und GPUs weiterläuft, dürfte Oracle überproportional profitieren, auch weil das Unternehmen massiv Kapazitäten aufbaut und langfristige Verträge im Rücken hat, unter anderem mit großen KI-Playern, die bereits für einen Auftragsbestand von rund 455 Mrd. US-Dollar stehen. Dreht sich allerdings das Sentiment oder bleiben die Renditen dieser Investitionen hinter den Erwartungen, kann genau diese Hebelwirkung schnell zur Belastung werden.

Quelle: www.prorealtime.com

Ich finde die Story hochinteressant, gerade weil sie so klar positioniert ist. Wenn man eine starke Überzeugung hat, dass sich KI, Cloud und Data Center in den kommenden 18 Monaten ähnlich dynamisch weiterentwickeln wie zuletzt, kann Oracle eine spannende Beimischung sein.

Wenn man hingegen glaubt, dass wir hier eher am oberen Ende einer Entwicklung stehen und Risiken zunehmen, dann ist Oracle genau die Art von Aktie, die in einem solchen Szenario deutlich unter Druck geraten kann. Ich bin aktuell nicht in Oracle investiert.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist Bestandteil des exklusiven „Lars Erichsen“-Echtgeld-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
 
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