Solar-Aktie ist nicht gleich Solar-Aktie. Genau das ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt, den Anleger bei diesem Thema verstehen müssen. Viele werfen die gesamte Branche in einen Topf, obwohl die Geschäftsmodelle innerhalb der Solar-Industrie völlig unterschiedlich funktionieren.
Manche Unternehmen kämpfen mit brutalem Preisdruck und Überkapazitäten, andere verdienen ihr Geld mit Software, Infrastruktur oder langfristigen Stromverträgen. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf die einzelnen Bereiche der Branche.
Grundsätzlich lässt sich die Solar-Industrie in 4 große Sektoren unterteilen:
• Panel-Hersteller
• Wechselrichter
• Solarpark-Betreiber
• Infrastruktur und Trackingtechnologie
Panel-Hersteller: Harter Wettbewerb
Der erste große Bereich innerhalb der Solar-Industrie ist die klassische Herstellung von Solar-Modulen (Panels) und genau hier ist der Konkurrenzdruck aktuell am größten. Vor allem für Anleger aus Europa oder den USA gilt dieser Bereich derzeit als besonders schwierig, weil chinesische Unternehmen die Branche inzwischen in weiten Teilen dominieren.
China kontrolliert mittlerweile fast die gesamte Produktionskette und kann dadurch deutlich günstiger produzieren als viele westliche Wettbewerber. Diese Marktstellung entstand nicht zufällig, sondern wurde über viele Jahre durch massive staatliche Unterstützung aufgebaut. Das Ergebnis ist eine Industrie mit gewaltigen Überkapazitäten.
Besonders deutlich wurde das im Jahr 2024 und Anfang 2025. Solar-Module aus China wurden zeitweise für nur noch 7 bis 9 US-Cent pro Watt angeboten. Selbst die größten Hersteller des Landes schrieben bei diesen Preisen operative Verluste. Noch schwieriger ist die Situation für westliche Hersteller außerhalb Chinas. Deutsche und japanische Unternehmen dominierten den Markt im Jahr 2005 noch mit einem gemeinsamen Anteil von rund 80%. Heute liegt dieser Anteil bei weniger als 10%.
First Solar
Eine der wenigen größeren Ausnahmen im westlichen Solar-Markt bleibt First Solar aus den USA. Das Unternehmen unterscheidet sich technologisch deutlich von vielen chinesischen Konkurrenten, denn statt klassischer Silizium-Solarmodule setzt First Solar auf sogenannte Cadmium-Tellurid-Dünnschichttechnologie.
Vereinfacht gesagt nutzt das Unternehmen dabei besonders dünne Halbleiterschichten, die günstiger produziert werden können und vor allem bei großer Hitze oft effizienter arbeiten als herkömmliche Module.
Gleichzeitig profitiert First Solar von US-Förderprogrammen sowie von langfristigen Lieferverträgen mit amerikanischen Energie-Versorgern. Genau dadurch verfügt das Unternehmen aktuell über einen vergleichsweise gut geschützten Heimatmarkt.
Wechselrichter: Das Herzstück
Der zweite große Bereich innerhalb der Solar-Industrie dreht sich um Wechselrichter. Diese Technik sorgt dafür, dass der von Solar-Modulen erzeugte Gleichstrom überhaupt erst in nutzbaren Wechselstrom für Haushalte, Unternehmen und das Stromnetz umgewandelt wird. Ohne Wechselrichter könnte der erzeugte Solarstrom im Alltag praktisch nicht verwendet werden.
Dieses Segment unterscheidet sich deutlich von der klassischen Herstellung von Solar-Panels. Wechselrichter-Hersteller verkaufen nicht einfach nur austauschbare Hardware, sondern spezialisierte Technologie mit zusätzlichen Funktionen. Genau darin liegt der große Unterschied.
Ein gutes Beispiel ist Enphase. Das Unternehmen setzt auf sogenannte Mikrowechselrichter, die direkt hinter jedem einzelnen Solar-Panel installiert werden. Dadurch lässt sich die Leistung jedes einzelnen Moduls überwachen. Zusätzlich können Softwarelösungen und digitale Services integriert werden. Genau diese Kombination aus Hardware, Software und Service ist deutlich schwerer kopierbar als ein klassisches Solarpanel.
Trotzdem lief auch dieser Bereich zuletzt alles andere als stabil. SolarEdge, Sunrun und andere Unternehmen verloren zwischen 2023 und Anfang 2025 teilweise mehr als 70% ihres Börsenwertes. Sunnova musste Anfang 2025 sogar Insolvenz anmelden, obwohl das Unternehmen rund 410.000 aktive Kundenverträge besaß. Das Problem war also nicht die grundsätzliche Nachfrage nach Solaranlagen, sondern vor allem hohe Schulden und stark gestiegene Finanzierungskosten durch das höhere Zinsniveau.
Auch Enphase geriet massiv unter Druck. Die Aktie fiel von zeitweise über 300 US-Dollar auf unter 80 US-Dollar. Hintergrund war ein deutlicher Nachfragerückgang im US- Privatkundengeschäft. Viele Installationsfirmen stoppten ihre Bestellungen, während sich gleichzeitig hohe Lagerbestände aufbauten. Dadurch brachen die ursprünglichen Wachstumsprognosen regelrecht zusammen. Im 1. Quartal 2026 lag der Umsatz mit 283 Mio. US-Dollar noch immer rund 29% unter dem Vorjahreswert.
Gut zu wissen
Die EU-Kommission hat kürzlich beschlossen, dass neue Energieprojekte mit chinesischen Wechselrichtern künftig keine EU-Fördergelder mehr erhalten sollen. Hintergrund sind vor allem Sicherheitsbedenken und die starke Abhängigkeit Europas von chinesischer Technologie. Davon konnte der deutsche Wechselrichter-Hersteller SMA Solar ordentlich profitieren.
Mein Fazit: Wechselrichter-Unternehmen hängen stark vom Privatkundengeschäft ab und das reagiert extrem sensibel auf hohe Zinsen. Wenn Kredite und Hypotheken deutlich teurer werden, verschieben viele Haushalte größere Investitionen wie Solaranlagen erst einmal. Deshalb kann der Solar-Markt langfristig zwar weiter wachsen, einzelne Bereiche wie das private Dachanlagengeschäft aber trotzdem zeitweise massiv unter Druck geraten.
Solarpark-Betreiber: Stabiles Geschäftsmodell
Ein weiterer wichtiger Bereich innerhalb der Solar-Industrie sind Betreiber großer Solarparks. Diese Unternehmen produzieren den Strom meist nicht für einzelne Haushalte, sondern im industriellen Maßstab für Energieversorger, Unternehmen oder direkt für das öffentliche Stromnetz.
Für Investoren gilt dieser Bereich als vergleichsweise stabil, weil die Erlöse langfristig planbar sind. Grundlage dafür sind sogenannte Power Purchase Agreements, kurz PPAs. Dabei handelt es sich um langfristige Stromlieferverträge mit Laufzeiten von häufig 15-25 Jahren.
Der Strom ist damit oft schon verkauft, bevor die Anlage überhaupt gebaut wird. Das reduziert das Absatzrisiko erheblich. Die größten Herausforderungen liegen stattdessen eher in Finanzierung, Bau und Umsetzung der Projekte.
NextEra Energy nimmt in diesem Bereich eine besondere Rolle ein. Das Unternehmen gilt gemessen an der installierten Leistung als größter Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen weltweit. Gleichzeitig ist NextEra aber auch ein klassischer regulierter Energieversorger und wird an der Börse deshalb oft ähnlich bewertet.
Genau daraus ergibt sich eine wichtige Besonderheit. Steigen die Zinsen, gerät die Aktie häufig unter Druck, weil viele Anleger dann wieder stärker auf Anleihen setzen. In Phasen niedriger Zinsen profitiert NextEra dagegen oft deutlich. Die Kursentwicklung hängt deshalb nicht nur vom Ausbau der Solarenergie ab.
Tracking-Systeme: Heimlicher Gewinner
Im letzten Schritt gehe ich noch auf die Tracking-Systeme ein. Dabei handelt es sich um den vierten wichtigen Bereich innerhalb der Solar-Industrie. Gemeint sind mechanische Systeme und Infrastrukturtechnik, die Solarmodule im Tagesverlauf automatisch der Sonne nachführen, damit die Stromausbeute möglichst hoch ausfällt.
Der wichtigste Name in diesem Bereich ist Nextpower (ehemals Nextracker). Das Unternehmen nimmt innerhalb der Solar-Branche eine besonders interessante Rolle ein. Denn anders als klassische Panel-Hersteller hängt das Geschäftsmodell deutlich weniger vom Preiskampf bei Solar-Modulen ab.
Nextpower liefert vor allem die technische Infrastruktur für große Solarprojekte anderer Anbieter. Zusätzlich wird die Technik immer stärker mit eigener Software zur Leistungsoptimierung kombiniert. Genau dadurch profitieren Unternehmen wie Nextpower sogar indirekt von fallenden Modulpreisen. Denn je günstiger Solarpanels werden, desto mehr Solarparks rechnen sich wirtschaftlich und desto mehr Tracking Systeme werden weltweit benötigt.
Mein Fazit: Während viele klassische Panel-Hersteller deshalb unter dem massiven Preisverfall leiden, profitieren Anbieter von Tracking Systemen eher vom steigenden Gesamtvolumen neuer Solaranlagen.
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