Mittwoch, 22. Juli 2026
Diese Aktie will ich kaufen!
Liebe Leserin, lieber Leser,

die geplante Übernahme von PayPal hat den Zahlungs-Sektor jüngst in den Mittelpunkt gerückt. Medienberichten zufolge haben der Zahlungsdienstleister Stripe und die Beteiligungsgesellschaft Advent International gemeinsam 60,50 US-Dollar je PayPal-Aktie geboten. Damit würde PayPal mit mehr als 53 Mrd. US-Dollar bewertet. PayPal hat sich zu den Berichten bislang nicht offiziell geäußert und es ist offen, ob das Angebot angenommen oder noch einmal nachgebessert wird.

Unternehmensanalysen zu möglichen Übernahmekandidaten und insbesondere meine konkreten Einstiegskriterien sind normalerweise Informationen, die ausschließlich die Leser der „Rendite-Spezialisten“ erhalten. Weil die mögliche PayPal-Übernahme jedoch weit über eine einzelne Aktie hinausgeht und möglicherweise eine größere Konsolidierung im Zahlungs-Sektor einleitet, möchte ich heute einen genaueren Blick auf das Unternehmen Block werfen.

Block, ist vielen Anlegern noch unter dem früheren Namen Square bekannt. Das Unternehmen gehört aus meiner Sicht zu den börsennotierten Konzernen, die sich am ehesten mit PayPal vergleichen lassen. Beide Unternehmen sind im digitalen Zahlungsverkehr aktiv, setzen innerhalb dieses Marktes aber unterschiedliche Schwerpunkte.

Wo liegt der Unterschied zwischen Block und PayPal?

PayPal konzentriert sich vor allem auf den digitalen Bezahlvorgang zwischen Verbrauchern und Händlern. Der Konzern ordnet sein Geschäft derzeit in die Bereiche Checkout Solutions & PayPal, Consumer Financial Services & Venmo sowie Payment Services & Crypto. Zu PayPal gehören damit unter anderem der bekannte PayPal-Bezahlknopf, die Zahlungsabwicklung über Braintree und die Verbraucher-App Venmo.

Block verfolgt einen breiteren Ansatz. Das Unternehmen verbindet mit Square ein vollständiges Ökosystem für Händler mit der Verbraucherplattform Cash App. Hinzu kommen der Ratenzahlungs-Anbieter AfterPay, die Musikplattform TIDAL, die Bitcoin-Wallet Bitkey und das Bitcoin-Mining-Geschäft Proto. Block beschreibt seine einzelnen Marken selbst als unterschiedliche Zugänge zur Wirtschaft. Square richtet sich an Verkäufer und Unternehmen, Cash App an Verbraucher, AfterPay an Kunden mit dem Wunsch nach zeitlich gestreckten Zahlungen und Bitkey sowie Proto an den Krypto-Markt.

Der wesentliche Unterschied liegt damit in der Ausgangsposition. PayPal ist historisch vor allem aus dem Onlinehandel und dem digitalen Checkout herausgewachsen. Block kommt ursprünglich vom stationären Händlergeschäft. Square stellt Händlern Bezahlterminals, Kassensoftware und weitere Unternehmenslösungen zur Verfügung. Cash App bildet auf der anderen Seite das Verbraucherökosystem. Block versucht, beide Seiten miteinander zu verbinden.

Was macht Block genau?

Das Kerngeschäft besteht aus 2 großen Ökosystemen:

Square richtet sich an Händler, Restaurants und andere Unternehmen. Neben der Zahlungsabwicklung bietet Square Hard- und Software für Kassensysteme sowie weitere Finanzdienstleistungen für Verkäufer an. Block verdient unter anderem an den über Square abgewickelten Zahlungen, an Software-Abonnements und an zusätzlichen Finanzprodukten.

Cash App ist eine digitale Finanzplattform für Privatkunden. Nutzer können Geld versenden, empfangen, ausgeben und aufbewahren. Darüber hinaus bietet Cash App eine Debitkarte, Einzahlungsfunktionen und Kredite an. Ende 2025 kam Cash App auf 59 Mio. monatlich aktive Nutzer.

AfterPay ergänzt das Angebot um das sogenannte buy-now-pay-later-Geschäft. Kunden können Einkäufe in Raten bezahlen, während Händler den Kaufbetrag abzüglich der Gebühren erhalten. Block kann AfterPay sowohl in Cash App als auch in das Square-Händlernetz integrieren.

Daneben betreibt der Konzern mit Bitkey eine Wallet, mit der Nutzer ihre Bitcoin selbst verwahren können. Proto entwickelt Produkte und Dienstleistungen für das Bitcoin-Mining. TIDAL gehört ebenfalls weiterhin zum Konzern, spielt gemessen am gesamten Geschäftsmodell jedoch eine deutlich kleinere Rolle.

Die jüngsten Geschäftszahlen

Die zuletzt veröffentlichten Zahlen stammen aus dem 1. Quartal 2026 und wurden am 7. Mai 2026 vorgelegt.

Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 5% auf 6,06 Mrd. US-Dollar. Für die Beurteilung des operativen Geschäfts ist bei Block allerdings der Bruttogewinn aussagekräftiger als der Umsatz. Der ausgewiesene Umsatz wird durch die Bitcoin-Transaktionen der Kunden beeinflusst, obwohl Block mit diesen Umsätzen nur vergleichsweise geringe Margen erzielt.

Der Bruttogewinn stieg im 1. Quartal um 27% auf 2,90 Mrd. US-Dollar. Im Schlussquartal 2025 hatte das Wachstum noch bei 24% gelegen. Die von FactSet erfassten Analysten hatten im Durchschnitt mit rund 2,80 Mrd. US-Dollar gerechnet.

Über Square wurden 13% mehr Zahlungsvolumen abgewickelt als ein Jahr zuvor. Besonders stark wuchs das Kreditgeschäft innerhalb der Cash App: Das Volumen der neu vergebenen Verbraucherkredite erhöhte sich um 82%.

Unter dem Strich meldete Block nach US-Rechnungslegung einen Nettoverlust von 309 Mio. US-Dollar bzw. 0,52 US-Dollar je Aktie. Im Vorjahresquartal hatte der Konzern noch einen Nettogewinn von 190 Mio. US-Dollar bzw. 0,30 US-Dollar je Aktie ausgewiesen. Die operativen Kosten erhöhten sich um 57%. Einen wesentlichen Anteil daran hatten einmalige Restrukturierungskosten im Zusammenhang mit dem umfangreichen Stellenabbau.

Bereinigt um diese und weitere Sondereffekte verdiente Block 0,85 US-Dollar je Aktie. Die von FactSet befragten Analysten hatten lediglich 0,68 US-Dollar erwartet.

Prognose wurde angehoben

Nach dem 1. Quartal erhöhte Block seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr 2026. Das Unternehmen erwartet nun einen bereinigten Gewinn von 3,85 US-Dollar je Aktie. Zuvor hatte die Prognose bei 3,66 US-Dollar gelegen. Gegenüber dem Vorjahr würde dies einem Anstieg um 62% entsprechen.

Für das 2. Quartal stellte das Management einen Bruttogewinn von 3,04 Mrd. US-Dollar in Aussicht. Das wären rund 20% mehr als ein Jahr zuvor. Am 5. August stehen die nächsten Quartalszahlen an.

Umbau des Konzerns

Im Februar 2026 kündigte Block den Abbau von mehr als 4.000 Arbeitsplätzen an. Dadurch sollte sich die Zahl der Mitarbeiter von mehr als 10.000 auf weniger als 6.000 reduzieren. Das entsprach einem Personalabbau von rund 40%. Das Management begründete die Entscheidung mit einer stärkeren Nutzung künstlicher Intelligenz und einer deutlich schlankeren Organisationsstruktur.

Die Folgen dieses Umbaus waren in den Zahlen des 1. Quartals deutlich zu erkennen. Einerseits belasteten die Restrukturierungskosten das Ergebnis nach US-Rechnungslegung. Andererseits beschleunigte sich das Wachstum des Bruttogewinns von 24 auf 27%. Ob die deutlich kleinere Organisation dieses Wachstum über mehrere Quartale aufrechterhalten kann, lässt sich nach einem einzelnen Quartal noch nicht abschließend beurteilen.

Die Stärken

• Das operative Wachstum hat sich zuletzt beschleunigt. Im 1. Quartal stieg der Bruttogewinn um 27%, das über Square abgewickelte Zahlungsvolumen um 13% und das Volumen der über Cash App vergebenen Verbraucherkredite um 82%. Gleichzeitig hob Block die Gewinnprognose für das Gesamtjahr an.

• Die Bilanz ist solide aufgestellt. Block weist ein positives Eigenkapital von 21,68 Mrd. US-Dollar aus. Die kurzfristigen Vermögenswerte lagen nahezu doppelt so hoch wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Hinzu kam im 1. Quartal ein Free Cashflow von rund 935 Mio. US-Dollar.

• Block besitzt mit Cash App, Square, AfterPay, Bitkey und Proto mehrere eigenständige Plattformen und Produktbereiche. Ein möglicher Käufer würde damit nicht nur einen Zahlungsabwickler übernehmen, sondern zugleich ein Händlernetzwerk, eine Verbraucherplattform, ein Kreditgeschäft und verschiedene Bitcoin-Aktivitäten.

Die Schwächen

Schwächen und Risiken von Block

• Die ausgewiesenen Ergebnisse schwanken stark, da Sonderposten wie Restrukturierungskosten den Konzerngewinn erheblich beeinflussen.

• Der Abbau von rund 40% der Belegschaft birgt operative Risiken, insbesondere für Produktentwicklung, Kundenservice und Compliance.

• Das schnell wachsende Kreditgeschäft erhöht das Risiko steigender Zahlungsausfälle und einer höheren Risikovorsorge.

• Frühere Mängel bei Geldwäschekontrollen zeigen, dass Block weiterhin regulatorischen Risiken ausgesetzt ist.

• Die hohen immateriellen Vermögenswerte von 13,20 Mrd. US-Dollar könnten bei enttäuschender Entwicklung zu Abschreibungen führen.

Das macht Block interessant

Für einen strategischen Käufer wären insbesondere der direkte Zugang zu den Cash-App-Nutzern, das Square-Händlernetz und die Verbindung zwischen Verbraucher- und Händlerplattform relevant. Gleichzeitig würde ein Käufer mit Block auch das Kreditgeschäft, AfterPay, die Bitcoin-Aktivitäten und mehrere kleinere Konzernbereiche übernehmen. Das erhöht die Zahl der möglichen strategischen Ansatzpunkte, aber auch die Komplexität einer vollständigen Übernahme.

Quelle: www.prorealtime.com

Ich bin aktuell nicht in Block investiert. Das Unternehmen finde ich dennoch spannend, insbesondere aufgrund der Kombination aus Square, Cash App, AfterPay und den zusätzlichen Bitcoin-Aktivitäten. Die jüngsten Zahlen zeigen ein beschleunigtes Wachstum des Bruttogewinns, eine angehobene Prognose und einen positiven Free Cashflow. Gleichzeitig muss der Konzern nach dem erheblichen Stellenabbau beweisen, dass dieses Wachstum mit der deutlich kleineren Organisation dauerhaft aufrechterhalten werden kann.

Bei der Aktie fehlt mir bislang jedoch ein entscheidender Punkt. Aus meiner Sicht läuft sie seit rund 3 Jahren per saldo seitwärts und hat noch keinen nachhaltigen neuen Aufwärtstrend etabliert. Deshalb reicht mir die interessante Unternehmensentwicklung allein für einen Einstieg nicht aus. Für mich braucht es einen klaren preislichen oder fundamentalen Trigger, damit ich aktiv werde.

Sie haben sicherlich Verständnis dafür, dass ich die konkreten Einstiegskriterien, die entsprechenden Kursmarken und das daraus abgeleitete Chance-Risiko-Verhältnis ausschließlich mit den Lesern der „Rendite-Spezialisten“ teile. Fest steht für mich aber: Block gehört zu den Unternehmen im Zahlungs-Sektor, die ich derzeit besonders aufmerksam beobachte.

Wichtig: Auf Übernahmen zu spekulieren kann interessant sein, aber kaufen werde ich nur, wenn ich das Unternehmen auch unabhängig von diesem Szenario im Depot haben möchte. Gerade wegen der etwas breiteren Aufstellung ist Block kein klassischer Übernahme-Kandidat.

Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte:
Der Autor ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Kommentars in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten investiert: - - - | Diese Position ist Bestandteil des „Rendite-Spezialisten“-Depots. Die Informationen in diesem Newsletter stellen keine Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar.
 
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